Lotariat

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Arschlochkaffee

Ich dachte ja, dass der ganze denkende Teil der Welt versucht, die Umwelt zu schonen. Mal abgesehen von all jenen, die unbedingt mit einem geländegängigen Zweitonner zum Shoppen durch die City fahren. Für alle anderen gibt es Produkte aus Recycling-Material, wiederbefülbare Verpackungen und einige andere gute Ideen, die Ressourcen schonen und Abfall vermeiden.

Und dann kommt Nestlé. Der Konzern, der schon in den 70ern seine Profite auf Kosten von Menschenleben in Afrika erzielt hat. Damals war es Babymilchpulver, das als Krankenschwestern verkleidete Promoter verkauft haben. Leider haben die nur verkauft und nicht erklärt und viele Leute konnten die Gebrauchsanweisung nicht lesen, weil sie überhaupt nicht lesen konnten. Sie dosierten das teure Zeug zu sparsam und Säuglinge verhungerten. Für Nestlé kein Grund, seine Vertriebspraktiken zu ändern. Selber Schuld. Bis der Druck zu groß wurde. „Nestlé tötet Babys“ war der Titel eines Buches, gegen das Nestlé klagte. Das Gericht gab dem Verfasser inhaltlich zwar Recht, den Titel musste er aber ändern.

Heute kauft sich Nestlé in Entwicklungsländern für lächerliches Geld Förderrechte für Wasser. Dann wird soviel abgepumpt, dass die Quellen in den Dörfern versiegen. Das Wasser, dass die Leute bis dahin einfach aus dem Brunnengeschöpft haben, können Sie dann in Plastikflaschen , also schön mit Biphenol, von Nestlé kaufen. Oder auch nicht, denn für die meisten in Pakistan z.B. ist es viel zu teuer. Also trinken sie den keimigen Bodensatz und werden krank oder verdursten gleich. Das ist hart, aber der Chef findet nun einmal, dass Wasser ein Wirtschaftsgut ist, das auch seinen Preis haben soll. (Nur im Verkauf natürlich). Inzwischen haben seine PR-Leute ihm nettere Worte geschrieben, aber das Handeln wird nach wie vor von der Maxime „Profit über alles“ bestimmt.

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Wenn sie gerade mal keine Menschen umbringen, versuchen sie wenigstens ökologischen Schaden anzurichten, wo bisher alles gut war. Früher hat man nach dem Kaffee kochen, den Kaffeesatz einfach kompostiert. Gegebenenfalls mitsamt Filtertüte,Das geht nicht mehr, seit Nestlé den Kaffee in Plastikkapseln packt und mit Aluminium verschließt. Alu verbraucht in der Produktion Unmengen Wasser, aber das haben sie ja. Strom geht auch en masse dabei drauf und übrig bleibt giftiger Schlamm. Aber der vergiftet ja irgendein Billiglohnland am anderen Ende der Welt. Und als wäre das alles nicht schon kacke genug, kommen dann irgendwelche Nachäffer und packen die Plastikkapsel mit dem Aludeckel auch noch in eine Plastikfolie. Fuck you all!

Einige interessante und lustig präsentierte Fakten zum Thema hier:

http://futterblog.weberphilipp.de/mull-hat-einen-namen-nespresso/

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1 oder 0 – Tatü oder Tata.

Als ich neulich in der Schanze das unverholene Treiben der Dealer beobachtet, musste ich mich ein bisschen wundern. War die Bekämpfung des Drogenhandels nicht der offizielle Grund für das Gefahrengebiet in der Schanze? Um ein paar Dealern das Handwerk zu legen, musste die Polizei einem ganzen Stadtteil mit Anlauf auf den Saque gehen und auf den Rechten der Leute rumtrampeln.

Inzwischen gibt es kein Gefahrengebiet mehr aber die Dealer sind noch da. Inmitten des Gewusels auf’m Blatt stehen 4 bis 5 von Ihnen in einer Reihe und warten auf Kunden. Mit denen gehen sie dann kurz in den Park und beide kommen 30 Sekunden später wieder. Selbst ein Grundschüler peilt, was da geht. Die Polizei scheint das nicht zu kratzen.

Was soll dieses binäre Verhalten? Gibt es nichts zwischen Kriegsrecht uns Laissez-faire? Von den Kneipen gegenüber aus, kann jeder sehen, wenn sich da ein Geschäft anbahnt und der kleine Park ist schnell von allen Seiten zugänglich. Man muss keine Polizeistrategie studiert haben, um ne Idee zu haben, was man da machen könnte. Wenn man denn wollte, was man auch nicht müsste. Man müsste es natürlich wichtig finden.

Gefahrengebiet als Wellness für Polizisten-Egos (q.e.d.) – daran kann man ja ruhig mal erinnern.

 

Watching the Detectives.

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Neulich hörte ich Nachrichten im NDR, für den wir Gebühren zahlen, damit wir auch wirklich immer unabhängigen, hochwertigen Journalismus bekommen. Berichtet wurde mal wieder über Ausschreitungen in der Schanze. Der Satz, der mich dabei störte, war: „Die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen.“

Musste sie das? Hätten die Journalisten des NDR einen der elementaren Grundsätze ihres Berufs beherzigt, dann hätten sie Meldung und Kommentar getrennt. Dann wäre die Meldung gewesen: „Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.“ An anderer Stelle hätten sie ihre Meinung kundtun können, derzufolge das notwendig war.

Aber wer will sich noch über solche Kleinigkeiten aufregen, wenn er „Die Anstalt“ vom 29.4. über „unabhängigen Journalismus“ gesehen hat? Da ist das Zeitungssterben gleich nur noch halb so traurig.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2109350/Die-Anstalt-vom-11.-Maerz-2014#/suche/anstalt

 


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Es kann nur einen geben.

Freie und Hansestadt Hamburg. Wo die Grenzen zwischen den Gewalten fließend sind.

wasserwerfer

Liquid Democracy

Wieviel Frieden schafft dieses Fahrzeug? Eine Antwort legen vielleicht die Krawalle nah, die sich zuletzt beim Schlump zutrugen. Dort, wo ich mich nach 20 Uhr immer frage, ob Hamburg wirklich eine Großstadt ist.

Natürlich wird jetzt jede Seite der aktuellen Debatte alle weiteren Eskalationen in ihrem Sinne interpretieren.

Die Gefahrengebieter sehen ihr Projekt bestätigt. Gefahr besteht. Ich warte darauf, dass jetzt eine räumliche Ausweitung gefordert wird. Vielleicht auch eine Verschärfung der Maßnahmen? Da geht doch bestimmt noch was. Vorschlag: Ausgangssperren ab 22 Uhr. Ein ordentlicher Bürger sollte dann ohnehin damit beschäftigt sein, seine Arbeitskraft zu regenerieren. Sofern die Sirenen ihn schlafen lassen.

Die Kritiker sehen die Vollendung einer selbsterfüllenden Prophezeihung. Jede Reaktion erzeugt eine Gegenreaktion. Dass die Machtdemo der Polizei weitere Krawalle hervorrufen würde, die es andernfalls nicht gegeben hätte, sei programmiert gewesen.

Beide Argumentationen sind in sich schlüssig genug, um die Hoffnung fahren zu lassen, eine Seite könne die andere überzeugen. Die Fronten sind festgefahren. Wenn niemand sich bewegt wird nichts passieren. Abgesehen von der Scheiße, die gerade dampft. Auf der einen Seite Randalierer. Idioten, die mit Politik soviel im Sinn haben wie Hooligans mit Fußball, die einfach nur Hass rauslassen wollen. Auf der anderen Seite deren Ziel: die Polizei, die Staatsmacht, der Souverän.

Insofern sollte man sich vielleicht die Schuldfrage mal beiseite lassen und Lösungen suchen. Ein neuer Innensenator wäre ein verheißungsvoller erster Schritt, denn:

Von welcher der beiden Seiten darf man am ehesten eine souveräne Entscheidung erwarten? Eine, für die man das eigene Verhalten kritisch bewerten und eventuell ändern muss. Ohne Stolz und Sturheit.

Es wäre wünschenswert, wenn das die Steineschmeißer wären. Aber es ist so sicher wie die Kontrolle in der Schanze, dass die nicht zurückstecken. Wo Hass herrscht, braucht man Einsicht nicht zu erwarten. Natürlich können die den Krieg nicht gewinnen. Wahrscheinlich wüssten sie auch gar nicht, was sie dann machen sollen. Sie wollen eben randalieren. Aber wenigstens möchten sie dafür einen Anlass haben. Den gibt die Polizei ihnen.

Folglich kann es sinnvollerweise nur von der Polizei gefordert werden, die Strategie zu ändern. Der klügere gibt nach. So einfach. Problem: die Führung der Polizei scheint den Krawallos da nicht weit voraus zu sein. Es  wäre ja auch im Interesse der Polizei und aller Bürger, dass die Gefahrengebieter sich langsam wieder einkriegen. Das Bild, das die Polizei zur Zeit abgibt,  dürfte entsprechenden Nachwuchs anziehen, wenn es sich verfestigt. Und: die Polizei braucht Rückhalt in der Bevölkerung und wie ich das sehe, verkackt sie diesbezüglich gerade nach Kräften. Nicht bei jedem, aber bei vielen so richtg.

Es hatte mir schon Hoffnungen gemacht, als bekannt wurde, dass das amerikanische Konsulat vor Reisen nach Hamburg warnt. Plötzlich geht es um Geld. Einbußen im Tourismusbetrieb drohen. Nachdem bisher der Schutz von Eigentum dem Schutz der Grundrechte übergeordnet war/ist, könnte sich nun ein Dilemma ergeben, das die Gefahrengebieter unter Druck setzt. Das müsste mal jemand den Chaoten erklären.


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Diskussion im Gefahrengebiet.

tl;dr: Ich bin gegen Gewalt, das Gefahrengebiet ist der rechtsfreie Raum offline und die Frage ob Sicherheitslücken durch das Gefahrengebiet gestopft oder verschoben werden. Und was könnten eigentlich friedliche Demonstranten für friedliche Demonstrationen tun?

Nicht gut.

Nicht gut.

Heute wurde weiter diskutiert und ich glaube, ich möchte noch viererlei klarstellen bzw. ergänzen.

Erstens, nochmal ganz deutlich:

KRITIK AM GEFAHRENGEBIET BEDEUTET NICHT AUTOMATISCH PARTEINAHME FÜR DIE RANDALIERER!

Ich lehne Gewalt ab und ich schätze es als einen wichtigen Teil meiner Lebensqualität, dass ich rund um die Uhr angstfrei in Hamburg unterwegs sein und meine Kamera auspacken kann. Natürlich ist das ein Verdienst der Polizei. Auch habe ich sowohl dienstlich wie privat Polizisten als sympathische Menschen erlebt. Und wenn ein Polizist einen Pflasterstein ist Gesicht bekommt, ist das furchtbar.

Ich hatte gerade ein Brautpaar vor der Linse. Der arme Polizst geriet aus Versehen in die Schusslinie und ließ sich bereitwillig nötigen.

Ich hatte gerade ein Brautpaar vor der Linse. Der arme Polizst geriet aus Versehen in die Schusslinie und ließ sich bereitwillig nötigen.

Deshalb ist die Polizei aber nicht über Kritik erhaben. Schon gar nicht ihre Führung und deren Strategien.

Ich kritisiere auch, welche Rahmenbedingungen die Stadt für den Umgang mit ihren Bürgern schafft. Ich finde es schlimm, dass die Polizei überhaupt die Möglichkeit hat, sich aufzuführen wie sie es gerade tut. Als wäre sie nicht ein Akteur, der eigene Meinungen und Interessen hat und verfolgt.  Ich kritisiere zudem, dass die Mehrheit dies ignoriert,  der Polizei blind vertraut und Kritiker diffamiert, indem sie diese in eine Reihe mit den Randalierern stellt.

Zweitens:

Mal zur Logik der Law-and-Order-Verfechter, die sonst immer vom rechtsfreien Raum im Internet faseln: merkt ihr selber, ne? Diesen rechtsfreien Raum bejubelt ihr jetzt als Gefahrengebiet. Polemisch, ja, aber nicht ganz unzutreffend. Eine Gewaltenteilung haben wir nicht umsonst. Die ist hier aufgehoben. Bürgerrechte weichen willkürlicher Staatsgewalt. Und wenn jetzt Platzverweise ausgesprochen werden frage ich mich, ob immer die gesetzlich geforderten Voraussetzungen dafür gegeben sind. Die sind nämlich anspruchsvoll:

Für ein Aufenthaltsverbot nach § 12b Abs. 2 SOG müssen bei Bekanntgabe des Verbots konkrete Tatsachen die hinreichende Wahrscheinlichkeit einer Straftatbegehung rechtfertigen. Die Zugehörigkeit zum linken Spektrum, die Eintragung in einer polizeilichen Datenbank als “Straftäterin links motiviert” oder ein allgemein verbal aggressives Verhalten reichen dafür nicht aus.

Quelle

Fettung von mir

Konkrete Tatsachen also. Wen kann man da noch verweisen und was hat der ganze Zirkus dann noch für einen Sinn? Außer Kraft zu demonstrieren, die aber ins Leere geht, bzw. die falschen bedrängt.

Alternative: Man ignoriert diese Vorgaben und das halte ich für wahrscheinlich. Als Beleg hätte ich auch lieber ne andere Quelle, aber in der Not liest der Teufel Mopo:

„Weil ich sagte, dass es in der Innenstadt etliche Taschendiebe gibt und sie da mal kontrollieren sollten, bekam ich auch noch ein Aufenthaltsverbot“, sagt der Mann.

Aber hey, man kann doch mal seinen Ausweis zeigen.

 

Drittens:

Nur ne Frage an diejenigen, die meinen, Hamburg sei jetzt sicherer: Woher kommen all die Polizisten, die jetzt in der Schanze Ausweise kontrollieren? Was machen die denn sonst und wer macht das jetzt? Nur ne Frage. Ich weiß es nicht.

Viertens:

Zum Thema Krawalle kann man vielleicht auch mal die Rolle der friedlichen Demonstranten betrachten. Denen dürfte klar sein, dass die Randalierer ihre Anliegen diskreditieren. Was können die denn tun? Nach Hause gehen kann es wohl nicht sein, denn von den Krawallos möchten Sie sich Ihre Demo natürlich genauso wenig versauen lassen wie von der Polizei. Die Polizei hätte es dann leichter, aber die Meinungsfreiheit hätte verloren. Aber können tausende friedliche Demonstranten und tausende Polizisten nicht einen Weg finden, mit ein paar hundert Arschkrampen umzugehen? Leicht mag das nicht sein, aber gibt es dafür nicht sowas wie einen runden Tisch? Fest steht nur: Solange in den Straßen gekämpft wird, gibt es keine Gewinner. Eine Übermacht, die ein klares Ziel abgibt und sich aus guten Gründen an Gesetze halten muss gegen skrupellose Underdogs, die kaum zu fassen sind – dass kennt man doch. Ich gebe zurück nach Kabul.